Triestiner Soldaten


Etwa 50.000 Triestiner der Donaumonarchie – Italiener, Slowenen und Kroaten – werden während des Krieges zum Wehrdienst eingezogen. Die meisten kommen zum k. u. k. Infanterieregiment General Graf von Waldstätten Nr. 97, zum k.u.k. Feldjägerbataillon Nr. 20, wo 50% Italiener, 30% Slowenen und 20% Kroaten dienen, und zur k.k. Landwehr Pola Nr. 5 mit 60% Italienern. Zahlreiche weitere Triestiner werden zu den Artillerieregimentern Nr. 22 und Nr. 4 einberufen sowie zum Dragoner-Regiment Nr. 5 und zur k.u.k. Kriegsmarine.

Zwischen September-Oktober 1914 ist das 97. Regiment an der Ostfront, wo beim Kampf gegen die Russen in Lemberg über die Hälfte der Männer den Tod findet. Das Regiment nimmt an der Eroberung der österreichischen Festung Przemyśl teil, um dann in die Karpaten verlegt zu werden. Die k.k. Landwehr Pola Nr. 5 kommt an der Balkanfront und in den Karpaten zum Einsatz. Ein Marschbataillon des 97. Regiments kämpft bis Oktober 1915 an der Front am Isonzo. Im Mai 1918 rebellieren in der Kaserne Radkersburg italienische und slowenische Soldaten des Regiments, der Aufstand wird im Keim erstickt und endet mit acht Erschiessungen.



Deserteure und Ordensträger


Mit der Schlacht bei Lemberg, bei der das 97. Regiment etwa die Hälfte seiner Soldaten verliert, entsteht das Demoghèla (im Triester Dialekt: Lass uns abhauen!), das bekannte Volkslied, das, mit Bezug auf den Irredentismus und der individuell ausgeprägten politischen Gleichgültigkeit, die geringe Kampfeslust der Triester Soldaten bemängelt und ihren Hang zur Flucht und Desertion in den Vordergrund rückt.

In der Völkervielfalt des österreichisch-ungarischen Heeres halten hohe Offiziere die Italiener und insbesondere die Triestiner für Soldaten mit wenig Kampfgeist, vielleicht weil es Stadtbewohner sind, die nicht so sehr zu Opfern und Mühsal bereit sind. Unter Ausnutzung der weitläufigen Flächen an der Ostfront desertieren viele oder lassen sich gefangen nehmen, doch viele andere tun trotz allem ihre Pflicht und erhalten militärische Auszeichnungen.

Reichsitaliener


In den letzten Tagen der italienischen Neutralität erhalten mit Vermittlung des amerikanischen Konsulats etwa 35.000 “Regnicoli” – Reichsitaliener bzw. in der Stadt ansässige italienische Arbeiter – einen Repatriierungsschein. Viele andere wollen Triest nicht verlassen: als Angehörige eines verfeindeten Landes werden 14.748 Personen anfänglich in verschiedene Flüchtlingslager von Österreich-Ungarn interniert.

In der Folge werden 9.866 Menschen, vorwiegend Frauen, Kinder und Alte über die Schweiz nach Italien gebracht und auf verschiedene Städte der Halbinsel verteilt. 2.987 Personen, vor allem Männer in wehrpflichtigem Alter sind weiterhin in den Lagern interniert, 1.895 werden in andere Orte zwangsverbracht. Im Laufe des Jahres 1919 kehren 39.483 nunmehr ehemalige “Regnicoli” in ihre Wohnungen in Triest zurück.



Internierte


Zwischen 1915 und 1916 werden zahlreiche österreichische Bürger, die größtenteils der italienischen Mittelschicht angehören, verhaftet und der Spionage oder als Sympathisanten des Feindes verdächtigt, daher als potenziell gefährlich eingestuft. 354 Personen werden in die Internierungslager in Mittergrabern, Göllersdorf und Weyerburg eingesperrt oder in andere Ortschaften der Donaumonarchie verbracht.

Weitere 175 Personen, darunter politisch Verdächtige, Anarchisten und Prostituierte, werden aus Gründen der öffentlichen Ordnung interniert. In den ersten Monaten des Jahres 1918, nach der Schlacht von Karfreit, ist die Überwachung weniger strikt und zahlreiche Internierte erhalten die Erlaubnis, nach Triest zurückzukehren.

Irredentistische Freiwillige


Insgesamt sind es 1.047 Irredentisten, die aus Triest fliehen und sich freiwillig den italienischen Streitkräften anschließen. Sie setzen sich aus Studenten, Freiberuflern, Angestellten und Handwerkern zusammen und entstammen der unteren und mittleren italienischen Bürgerschicht. 881 Freiwillige kämpfen tatsächlich an der italienisch-österreichischen Front, darunter zahlreiche “Regnicoli”.

Oft mit Misstrauen von den Kameraden und Heereskommandanten betrachtet, erreichen etwa die Hälfte dieser Kämpfer den Dienstgrad eines Offiziers und zwar oft für Verdienste im Krieg. 182 fallen im Kampf, darunter Scipio Slataper, Carlo Stuparich, Ruggero Timeus. Die nach dem Krieg gezählten restlichen 166 Freiwilligen sind italienischsprachige Soldaten des k.u.k. Heeres, die von den Russen gefangengenommen wurden und gemäß Absprachen zwischen Italien und Russland im Jahr 1917 in das italienische Expeditionskorps Fernost eintreten.



Irredentistische Gefangene


Ab Mitte 1916 bietet Italien den über 25.000 österreichisch-ungarischen Gefangenen italienischer Muttersprache (aus dem Trentino und Küstenland) die Möglichkeit, auf die österreichische Staatsangehörigkeit zu verzichten und ohne Wehrdienstverpflichtung in die Heimat zurückzukehren. Zwischen Oktober und November 1916 erreichen mehr als 4.000 im Lager Kirsanow festgesetzte Männer aus dem Trentino und Julisch Venetien auf dem Seeweg Italien und werden vorwiegend als Arbeiter in der Kriegsindustrie eingesetzt. Im Winter 1917 werden weitere 2.500 ehemalige italienischsprachige Gefangene, darunter 900 aus Julisch Venetien, nach Wladiwostok verlegt und ins italienische Expeditionskorps Fernost eingezogen, das zusammen mit anderen Verbündeten gegen die Bolschewisten eingesetzt wird.

Im September 1918 begeben sich in Samara etwa 300 Italiener, darunter etwa hundert Triestiner, unter dem Kommando von “Hauptmann” Compatangelo auf eine abenteuerliche Reise bis nach Wladiwostok. Von dort werden einige Kontingente nach Tientsin (China) verlegt. Ihre Rückkehr wird, unter größten Schwierigkeiten, nicht vor 1920 erfolgen.