Krieg im Alltag


Im Laufe des Krieges und auch danach sammeln sich in großbürgerlichen Salons, in den bescheideneren Esszimmern und Küchen der Mittel- und Unterschicht eine Vielfalt von Fotos, Plakaten, Bildern und Gegenständen an, die zur Kriegspropaganda gehören und deren Verkauf der Mitfinanzierung des Krieges diente. Dazu zählen auch zahlreiche Objekte, die der Trench Art zugerechnet werden und von den Soldaten mit viel handwerklichem Geschick und auch einem gewissen Geschmack angefertigt worden waren. Ausgangsmaterial für die kriegserinnernden Gegenstände sind verschiedene Kampfmittelrückstände, die zweckentfremdet und in neuer Art und Weise zu Brieföffnern und Briefbeschwerern, zu Tintenfässern und Federhaltern, zu Tischuhren, Rauchgarnituren und verschiedenen Deko-Objekten verarbeitet werden. Geschosse

und anderes Kriegsmaterial werden zu Spielzeug und Alltagsgegenständen umgewandelt, an denen die Symbole des Krieges gut sichtbar bleiben. In fast jedem Haushalt findet man Vasen aus Messing und Kupfer, die mit Schriften oder Ansichten der Kriegsschauplätze verziert und aus klein- bis mittelkalibrigen Patronenhülsen gewonnen wurden. Die große Verbreitung dieser sowohl handwerklichen als auch industriellen patriotischen Produktion zeigt – allerdings nur scheinbar beschwichtigend – die allgemein fortschreitende Akzeptanz des Konfliktes von Seiten der Gesellschaft. Zwischen 1914 und 1918 gibt es so gut wie keine Familie, die nicht einen Trauerfall zu beweinen hätte; vom Krieg verursachtes Leid und Elend sind sehr wohl an den Körpern und den Seelen der Soldaten zu erkennen, die nun als kranke Heimkehrer, Kriegsversehrte und unterschiedlich traumatisierte Frontkämpfer wieder da sind. Um eine solch tragische Situation bewältigen zu können, muss ein einvernehmlicher oder zumindest erkennbarer Konsens der Bevölkerung geschaffen werden. Erreicht wird dies durch kapillare Hilfsaktionen und Kriegspropaganda, die zur allgemeinen Mobilmachung der Gesellschaft führen.

Die ausgestellten Gebrauchsgegenstände stammen aus der Hellmann-Sammlung in Rom, die mit leidenschaftlichem Einsatz von Italo Hellmann angelegt und von seiner Gattin Enrica und Sohn Alessandro weitergeführt wurde. Aufgrund der Anzahl und der Qualität der Sammelstücke gilt die Kollektion als eine der wichtigsten in Italien und weltweit.