1914 Krieg


Auf die Ermordung in Sarajevo des Habsburger Thronfolgers Erzherzog Franz Ferdinand und seiner Gemahlin Sophie (28. Juni) folgt die Kriegserklärung Österreich-Ungarns an Serbien (28. Juli). Alle wehrtauglichen Männer ziehen in den Krieg. Die öffentliche Hand und wohltätige Bürger leisten finanzielle Unterstützung, gewähren Beihilfen und Renten für Kriegswitwen und die Familien der einberufenen Soldaten.

Gegen die Lebensmittelknappheit, die durch die Schiffsblockade der Verbündeten entstanden ist, geht man mit Rationierungen von Nahrungsmitteln vor. Gleichzeitig werden Vorratskäufe von Material und sonstigen Gütern vorgenommen.

 



1915 Unruhen


Der Mangel an Lebensmitteln bringt den Schwarzmarkt zum Blühen. Im April schreitet die Polizei bei Tumulten wegen ungerechtfertigter Verteuerung und Knappheit von Brot ein. Italiens Kriegserklärung (23. Mai) führt zu Protestkundgebungen gegen Italiener: während die königlich-kaiserlichen Behörden aus Angst vor einer italienischen Offensive die Stadt verlassen, stürmt eine Menschenmenge die Redaktion der Zeitung “Il Piccolo” und zündet sie an, weiterhin wird der Sitz der “Lega nazionale” und der “Ginnastica triestina” zerstört, Kaffeehäuser und Geschäfte italienischer Besitzer geplündert.

Die Stadt leert sich aufgrund der zweiten Massenmobilisierung und der Abreise oder Internierung von etwa 50.000 bis dahin in der Stadt lebenden italienischen Arbeitern.

1916 Propaganda


Der Krieg kostet Menschenleben, verschlingt Geld und verursacht Leid. Die Kriegspropaganda appelliert an die Triestiner zwecks Finanzierung des Konflikts, sie sollen Kriegsanleihen unterzeichnen und zugunsten von Kriegsversehrten, Kriegerwitwen und Waisen spenden. Kinos und Theater inszenieren patriotische Vorstellungen. An der Piazza Grande ermutigt die Obrigkeit die Menschen dazu, Nägel zu kaufen und sie in eine hölzerne Matrosenstatue einzuschlagen, die dann im Volksmund “Omo de fero” (Eisenmann) heißt. Ähnliches geschieht in vielen anderen Städten des Kaiserreiches.

Am 21. November stirbt Franz Joseph, sein Nachfolger wird sein Großneffe Karl I.



1917 Hunger und Bomben


Für die im Krieg involvierte Stadt beginnt die schlimmste Zeit überhaupt, da die italienische Luftwaffe und Artillerie aus der Luft und vom Wasser aus angreifen. Die Spitäler sind voller Verwundeter, viele Verletzte werden in öffentlichen Gebäuden, Schulen, Schiffslazaretten versorgt.
Die Lebensmittelknappheit führt zur höheren Sterblichkeit bei Kindern, aber auch bei der Allgemeinbevölkerung; das Elend trifft vor allem die Mittelschicht, die bis dahin keine Armut kannte, während die Menschen, die in der näheren Umgebung auf dem Land leben, eine bessere Versorgung haben. Trotz allem, und nicht zuletzt dank des Durchbruchs der Front am Isonzo zwischen Bovec und Tolmin sowie der Invasion von Friaul und Teilen des Veneto (Oktober-November), verherrlicht die Propaganda den bevorstehenden, unausbleiblichen “Endsieg”.

1918 Italien Im Anmarsch


Nach der Schlacht bei Karfreit entfernt sich zwar der Krieg, doch das Elend und die Knappheit an Nahrungsmitteln nimmt nicht nur in Triest zu, sondern im ganzen Habsburgerreich. Die Kronenwährung verliert an Wert, Waren erhält man über den Tauschhandel, es kommt zu Streiks und Demonstrationen gegen die teuren Lebenshaltungskosten. Im Juni scheitert die österreichisch-ungarische Offensive am Piave, Gabriele D’Annunzio überfliegt die Stadt Wien und wirft im Anschluss darauf Propaganda-Flugblätter ab.

Um den nationalen Bestrebungen seines Volkes zu genügen, versucht es Karl I. mit dem Föderalismus und dem Zollfreihafen Triest. An der Front am Piave führt das Vorrücken der italienischen Streitkräfte (Oktober-November) nach anfänglichem Widerstand zu einem Zerfall des österreichisch-ungarischen Heeres und viele Regimenter ziehen sich von der Front zurück. Karl I. dankt ab und flüchtet ins Exil, am 3. November (Waffenstillstand von Villa Giusti) erreichen italienische Truppen das Trentino und Triest. Die Kontrolle über die Stadt, die einige Tage zuvor von den österreichischen Behörden im Stich gelassen wurde und nun von einem uneinheitlichen Komitee für das Öffentliche Wohl verwaltet wird, dem es jedoch nicht gelungen ist, Plünderungen und Gewalttaten zu vermeiden, wird General Carlo Petitti di Roreto anvertraut.

 



1921 Die Annexion


Im Zeitraum November-Dezember 1918 kommen etwa 160.000 ehemalige italienische Kriegsgefangene nach Triest; ihr Zustand ist verheerend, als sie im Zollfreihafen und an zahlreichen anderen Orten der Stadt einquartiert und versorgt werden. Hinzu kommen noch sehr viele Triestiner Soldaten, die im nun untergegangenen Kaiserreich gedient hatten. Ohne finanzielle oder andere Mittel überlebt die Stadt dank der Hilfe und der Garküchen des italienischen Heeres.

Ein Exodus der deutschen, serbokroatischen und zum Teil slowenischen Bevölkerungsgruppen setzt ein, da eine massive Rückwanderung von italienischen Arbeitern erfolgt, die zuvor in Triest gelebt hatten. Zudem kommen viele andere Bewohner aus dem Königreich Italien in die Stadt. Revolutionäre Vorstösse und die ersten faschistischen Anzeichen vermischen sich in einem Klima, das allgemein von wirtschaftlicher Stagnation geprägt ist und wo der Warenumschlag und -verkehr kaum anzukurbeln sind. Die öffentliche Ordnung wird durch den Brand im Hotel Balkan erschüttert, wo slowenische Organisationen ihren Sitz haben, und von der Zerstörung der Redaktion der sozialistischen Zeitung “Il Lavoratore”, die faschistischen Gruppen zuzuschreiben ist (Juli 1920). Im September folgt als Antwort darauf ein bewaffneter Aufstand im “roten” Stadtviertel San Giacomo, der mit dem Einsatz des Militärs unterdrückt wird und Tote und Verletzte verursacht.

1921 werden Triest und Julisch Venetien vom Königreich Italien annektiert.