Trieste 1914–1921


1914 IST TRIEST eine multikulturelle und multikonfessionelle Stadt mit etwa 250.000 Einwohnern, zugleich die zweitgrößte Stadt Österreichs und die drittgrößte des Habsburgerreiches. Als wichtigster Adriahafen und Umschlagplatz für Waren und Passagiere erlebt die Stadt eine bauliche und finanzielle Blütezeit, in der Werften und Fabriken zehntausenden von Menschen Arbeit verschaffen. Der Großteil der Bevölkerung spricht Triester Dialekt und Slowenisch, aber in der Stadt leben auch Kroaten, Serben und Deutsche. Viele fremde Bewohner stammen aus dem nahen Königreich Italien und werden als “Regnicoli” oder
Reichsitaliener bezeichnet; es handelt sich vorwiegend um Friauler und Veneter, die mit ihren Familien in der Stadt leben.

DER KRIEG stoppt Industrie und Werften, blockiert die Verkehre, die Männer müssen an die Front.  Durch Italiens Eintritt in den Krieg leert sich die Stadt, die zu nah an der Front liegt, fast völlig. Die reguläre Stadtverwaltung wird ausgesetzt und das Militär übernimmt das Kommando. In Triest fallen Bomben, es fehlen Waren und Nachschübe, die immer knapper werdenden, rationierten Lebensmittel lassen den Schwarzmarkt aufblühen. Hunger und Elend machen sich breit, die öffentliche Fürsorge versucht dagegen anzugehen.

1921 GEHT TRIEST offiziell ans Königreich Italien. Mit der Auflösung der Donaumonarchie in zahlreiche Nationalstaaten endet auch die Rolle Triests als wirtschaftliche und finanzielle Drehscheibe für die umliegenden Gebiete und Nachbarländer. Der Hafen büßt stark an Bedeutung ein, die Industrie tut sich schwer mit einem Neustart. Die Einwanderungswelle der Vorkriegszeit ist vorbei, Triest liegt nun abgeschlagen am Rand des italienischen Wirtschaftsgefüges: eine schwere Nachkriegszeit bricht an.


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    Eheschließungen und Wirtschaftsindexe

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    Triests Einwohner nach Sprachen

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    Verluste des Österreichisch-Ungarischen Heeres

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    Bestand des Österreichisch-Ungarischen Heeres